Samstag, 24. Dezember 2011

Die drei bairischen Madl



D’Margret mitm Wurm,
d’Barbara mitm Turm
und d’Kathl mitm Radl,
san die 3 bairischen Madl.

Heut ist der 24. Dezember, und ich bin mit den Adventskalender-Kastln noch nicht durch.
Die kriegt ihr aber schon auch noch zu sehen und zu lesen.
Euch allen ein Frohes Fest und gute Rauhnächte!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Wildschwein-Weihnachten



Stell dir vor, du bist ein Wildschwein und der Schnee liegt hoch und harsch. Bis du da durchschrammst mit dem Rüssel, das tut weh! Steinhart ist der Boden, in dem tief die guten Wurzeln liegen, Engerling und Regenwürmer sich verstecken. Dich zwickt der Bauch und Schnupfen kriegst du auch. Hart ist das Wildschweinleben im Winter.

Wirklich? Wer hat denn da ein Picknick aufgetischt? Hagebutten, Haselnüsse, Vogelbeeren, Getrocknetes und Frisches, hübsch garniert mit Silberdisteln. Lola war’s und die Winterhexe. Sie bescheren allen Tieren im Wald ein super Weihnachts-Menü.
Oink, oink, dankt das Wildschwein und verschwindet wieder im Wald. Wie schön, wenn an Weihnachten der Bauch voll ist und die Seele friedlich.

Die Illustrationen stammen aus meinem Bilderbuch "Winterhexe", leider vergriffen.

Samstag, 17. Dezember 2011

Sterntaler



Wer wagt, gewinnt.
Zieh dich aus
bis aufs Hemd.
Stell dich auf,
barfuß im Garten,
mitten in der Nacht.
Schau zum Himmel.
Heb’s Hemd und
Sterntaler prasseln
dir in den Schoß –
vielleicht, wenn
d’Glück hast.
Besser als Lotto,
oder?

Freitag, 16. Dezember 2011

Saurier



Ich bin der Mächtigste,
ich bin der Größte.
den die Erde je gesehen hat,
ich, Brachiosaurus.
Wenn ich kämpfe,
zittert die Erde,
brechen die Knochen,
krachen die Berge,
ist der Ofen aus.
Fressen oder gefressen werden, Kumpel.
Null Angst vor gar nichts, boah!

Wieviel Uhr?
Mann, ich muss heim,
sonst gibt’s voll Dresche!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Du da, Garuda!



Du bist ein geflügelter Gott mit Manneskörper und Adlerkopf.
Aber wer ist der weiße Stier mit Hirschgehörn,
Fischschwanz und grünen Flügelflossen?
Er springt wie ein Delphin
vor dem Palast der Phantasie aus dem Wasser.
Gekauft wurde er letztes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt
an einem Stand der dritten Welt.
Bei uns in der ersten,
ist es grad dunkel und kalt und fies.
Ihr dagegen habt es gut warm
auf dem indischen Subkontinent,
zu dem einem Chili einfällt, Monsun,
Kim & Mowgli, Mädchen im Sari, das Tadsch Mahal,
der Ganges und die Hindu-Tempel.
Und die Armut, die Menschenmassen, die Kinder
und dass man spenden soll
in der Vorweihnachtszeit und
viel zu wenig tut für all die Armen, Hungrigen,
Elenden und Verlassenen.
Hilfe!
Wir spenden ja, und dann lasst uns bitte unsere Ruhe.
Wir kaufen uns los und gehen
lieber wieder auf den Weihnachtsmarkt
zum Würstel essen und
Punsch trinken.

Montag, 12. Dezember 2011

Hugo, der Eisbär



Hugo ist Klempner,
sein Handwerk stemmt er
erfolgreich und fleißig.
Er ist über dreißig.
Ein Bär, der sich was gönnt.
Hin und wieder auch könnt
er in die Oper gehn
oder Kunst in Museen sehn.
Aber lieber isst er italienisch.
Das ist nicht so akademisch.
Er ist ein kugelrunder Hugo,
kein Wunder bei Pasta und Sugo,
ein Gourmet und Muschelschlecker.
(In Weißwein sind sie oberlecker!)
Abnehmen will er irgendwann,
wenn er kann. Dann
macht er eine Silberfisch-Diät.
Zu der ist’s nie zu spät.
Noch kugelt er fröhlich durch die Welt,
die ihm, so wie sie ist, gefällt.

Frohes Fest, Hugo-Bär!

Hallo, Herbert, liebe Grüße an dich und an Gisela! Kugelrunde Ähnlichkeiten gibt's nicht, aber lebensgenießerische.

Freitag, 9. Dezember 2011

Madame Narzisse



Ich bin so schön,
ich bin so fein
und trotzdem bin ich
ganz allein.

Ich bin so reizend anzuschauen,
die schönste wohl von allen Frauen.
Das Neglischee ein Hauch
und teuer war es auch.

Mir fehlt ein Mann, damit ich
noch viel besser aussehen kann.
Ach, wie ich ihn vermisse,
ich einsame Narzisse!

 Madame Narzisse gehört zum Käptn, der als erster Advents-Kastl-Insasse gepostet wurde. Durch sein Bullauge schaut er direkt auf die Madame.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Die Süßwassernixe



Ich sah sie in Landshut auf den Ufersteinen vor dem Stadttheater sitzen: Sirena, die Süßwassernixe. Es war im Frühjahr, als die Pappeln am Ufer gegenüber die ersten hellgrünen Blätter zeigten.

Ich fragte Sirena, ob ich sie fotografieren dürfe. Sie hatte nichts dagegen. Aber weil die Aufnahme sehr verschwommen war, ergänzte ich das Foto mit Hilfe von „Brushes“, einem tollen Malprogramm, das auch David Hockney benutzt. Sirena fand sich sehr gut getroffen. Sie verabschiedete sich bald, denn sie wollte wieder isaraufwärts schwimmen, nach Moosburg.

Dort, in Barbaras Bücherstube, hat die Süßwassernixe kleine, postkartengroße Töchter. Nachts, wenn niemand in der Buchhandlung ist, schlüpfen sie aus ihren Cellophanhüllen, singen sirenensüße Sehnsuchtslieder von einem Schiff, das kommen wird und ihnen bringt den Einen, den sie so lieben wie Keinen und der sie glücklich macht. Die alte Nummer eben. Aber sie sind jung und müssen da durch! Danach bringt ihnen ihre Mutter Synchron-schwimmen bei. Diese Show will sie dem Intendanten des Niederbayerischen Städtetheaters in Landshut vorführen. Im nächsten Frühjahr, wenn die Pappeln wieder grünen, ist es soweit ..

Morgen Abend ist dort die Lesung. Haltet mir die Daumen!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Frau Percht tanzt



Drah di, Weiberl, um und um.
Spring, Frau Percht, rundumadum.
Und hierum und herum
tanz fest und hupf weit
über d’Wiesen und d’Berg.

Heit Nacht schlaft koa Zwerg,
kriagt koa Mannsbild sei Ruah,
koa Kinderschinder,
koa Weiberstesser,
koa gwaltdaatiger Hund.
Die wern heut Nacht gfangt und
ungspitzt in Bodn neigstampft.

Spring hierum und herum
über d’Häuser und d’Berg.
Im Bodn sans drin,
die neigstampftn Zwerg.

So kloa mit Hut.

Passt ganz gut zum 6. Dezember, Nikolaus, oder?

Samstag, 3. Dezember 2011

Wie die Zimtsterne entstanden sind



Es hat sich heut geöffnet das himmlische Tor.
Die Engerl, die kugeln ganz haufenweis hervor.
Die Bubelen, die Madalen, die schlagen Putzigagelen.
Echt? Putzi-Gagelen? A, a, a.
Die Engerl möchten lieber Plätzerl backen,
Nüsse knacken, Mürbteig hacken, Unsinn machen,
Jawoll!
Schau, schon fliegn sie übers Mehl,
flügelschlagend, dass es staubt wie Schnee.
Schmeissen Kokosflocken umeinander,
kugeln Eier, schlucken Weinberl,
nudeln Marzipan zu Schnecken
und verstreuen Liebesperlen
bis sich alle küssen. Noch’n Engelsschmatz,
du Husarenkrapferl, du?

Sie naschen Mandeln, schnupfen Zimt,
stecken sich Rumkugeln in die Ohren,
pappen mit Zuckerguss die Wolken zusammen.
Schlagen s’Eiweiß bis es schreit
Und essen Teig, bis keiner mehr da ist.

Diese Engel!

Aber schau: Einer zupft Sterndl vom Himmel
und legt sie aufs Backblech. Wer hätte das gedacht?
Schaut gut aus, ey!

Der Backblechengel und die weihnachtliche Bordüre stammen von einer Doppelseite, die ich mal für Spielen und Lernen gemacht habe. Mit dem iPad fotografieren, ausdrucken, ausschneiden und in die Adventsschachtel kleben, so hab ich's gemacht. Und echte Zimtsterne dazu, mit Uhu. Das ist das erste Adventskastl, das in Moosburg in Barbaras Bücherstube aufgemacht worden ist, vor drei Tagen.
Euch alllen eine schöne Adventszeit, wenn's geht!
         

Montag, 28. November 2011

Dornröschen



Dornröschen war ein schönes Kind,
schönes Kind, schönes Kind,
Dornröschen war ein schööö-nes Kind.
Gewesen.
Als sie fünfzehn Jahre alt geworden war,
bekam sie Akne, Wimmerl, Eiterpickel
und Bauchweh zum Schlechtwerden.
Einmal im Monat
stieg sie hinauf in die Turmstube,
wo die alte Frau auf sie wartete
und ließ die Spindel tanzen.
(Sehr zum Ärger ihres Vater.)
Dann durfte sich Dornröschen aufs Sofa legen
und hundert Jahre schlafen.
 Irgendwann
kommt schon noch ein
Prinz.



Mittwoch, 23. November 2011

Rotkäppchens Korb



Es ist zum Verzweifeln, sagt der Wolf, Rotkäppchen pflückt schon wieder die Blumen und hat ihren Korb hier auf dem Weg stehen lassen, mit Kuchen und Wein, und ich krieg’ und krieg’ die Flasche nicht auf. Ohne Korkenzieher: no chance.
Muss ich denn wieder Fleisch und Blut – ? Ich armer Karnivore. Den Kuchen könnt ich schon fressen, aber ich reiß’ mich nicht um Kuchen, ich steh’ einfach nicht drauf. Eine Wurstsemmel wär mir lieber.
Stattdessen muss ich diese zähe Großmutter packen. Und damit sie nicht so allein ist in meinem Bauch, als Nachspeis’ auch noch ihre Enkelin.
Immer das Gleiche, so ein Märchen. Und dann muss der Jäger kommen und – Nein, nein, ich hab’ mir einen Reißverschluss einbauen lassen. Da springen sie dann wieder raus aus meinem Bauch, das Rotkäppchen und die Großmutter, und lachen sich einen Ast.
Und ich? Ich krieg’ dann endlich einen Schluck Wein.

Samstag, 19. November 2011

Shahmaran



Die Schlangenkönigin Shahmaran aus Anatolien liebte einst einen Mann namens Camsab. Er liebte sie auch, als er aber Heimweh bekam, bat er sie, gehen zu dürfen. Shahmaran erlaubte es, wenn er verspräche, nie den Ort zu verraten, wo sie lebte.
Leider war der König seines Landes todkrank geworden und dessen Wesir zwang Camsab unter Folter Shahmarans Aufenthaltsort preiszugeben. Denn nur ihr Fleisch würde den König heilen, meinte der Wesir.
Man fing Shahmaran und brachte sie in den Palast des Königs. Aber bevor sie getötet wurde, sagte sie, wer von ihrem Fleisch esse, müsse auf der Stelle sterben, wer aber von der Brühe trinke, in der ihr Leib gekocht werde, dem würden alle Geheimnisse der Welt zuteil. Weil Camsab so verzweifelt war, dass er seine Liebste verraten hatte, aß er sofort ein Stück Schlangenfleisch. Der König und der Wesir aber tranken von der Brühe und starben auf der Stelle.
Shahmaran jedoch lebte in ihrer Tochter weiter und immer weiter bis heute. Ihr Bild hängt noch in vielen ländlichen Schlafzimmern Anatoliens über dem Ehebett, denn Shahmaran bringt Kindersegen.

Mittwoch, 16. November 2011

Kellerkönig und Kellerkönigin




Wie ist es nur dazu gekommen, dass König und Königin im Keller gelandet sind? Tja, sie wurden exiliert, vertrieben aus ihrem angestammten Reich, dem Kühlschrank. Dort, wo es hell und licht und sauber ist. Wo die Butter in der Dose liegt, die Wurst versiegelt und der Käse luftdicht abgeschlossen ist.
Hier unten dagegen: duster, dreckig, unhygienisch. Oben kann ja jeder herrschen. Aber unten, wo’s munkelt im Dunklen. Wo sich Schatten in den Ecken ducken, Röhren zischen, Leitungen klopfen, wo der Hahn tropft, das Gurkenwasser gluckst und Schimmel blüht auf feuchten Ziegeln.
Ach, herrje, stöhnt der König, wo sind wir nur hingeraten?
Wollt ihr’s wirklich wissen?, fragt eine Riesenassel, die wie ein schwarzgeräucherter Schinken von der Decke hängt. Ihr seid dort, wo das gehobelte Kraut mit bloßen Füßen ins Fass getreten wurde, bestreut mit Wacholderbeeren und Salz. Ihr seid in der Zeit gelandet, als die Eier in Kalk gelegt wurden und Kartoffeln einen Winter lang in der Steige lagen.
Die Königin schaut sich um. Sie blickt über Apfelmus, eingeweckt in langen Gläserreihen, über Zwetschgen-, Birnen- und Hollerkompott.
Der König entdeckt Bierkästen und Weinflaschen. Zaghaft lächelnd hebt er sein Szepter und nimmt die Herrschaft übers Eingemachte an, das die Menschen einen Winter lang nähren wird.
Lang lebe der Kellerkönig und seine Königin! ruft die Riesenassel. Juhu!

Samstag, 12. November 2011

Die nachtblaue Streunerin



Wir haben ihn platt gemacht, den Hund.
Der Hund hat uns ge-hundst. Immer.
Ihr Chaos-Katzen, ihr g’schlamperten Weiber, hat er gebellt,
überall liegen die Tannenzapfen rum im Wald,
nadelt’s aus den Bäumen, wachsen die Schwammerl wie sie wollen
und kriechen die Brombeer-Ranken kreuz und quer.
Und wer ist schuld?
Wir, die Eichkatz, die Wildkatz und ich, die nachtblaue Streunerin.

Ordnung muss sein, sacklzefix, Bluat von der Katz, hat er geknurrt.
Er. Dass er sich nicht schämt, der Hund.
Ein Hund ohne Herr ist ein armer Hund. Platz! Sitz! Kusch! Fass!
Es hat ihn gefreut, dass er folgen darf, dass er aufs Wort pariert.
Dass er dem Herrn die Hasen jagt, den Füchsen in die Röhre kriecht,
die Fasanen aufstöbert. Dass er hetzt, bellt, fasst und vor die Flinte treibt. Wir, die Eichkatz, die Wildkatz und ich,
die nachtblaue Streunerin,
wir wildern nur in seinem Wald. Wir sind bloß Miezies, Muschis,
Schmuse- und Steichelkatzen.

Jetzt hat er’s. Wir haben ihn so lang gestreichelt, bis er platt war.
Platt wie ein Fußabstreifer. Miau.

Mittwoch, 9. November 2011

Bukolisches Gedicht



Herbst, die abschiedsreiche Zeit, war gekommen,
es wehten die Winde wohl her und wohl hin.
Auf Wiesen und Weiden, auf Berg und im Tal
fraßen Rinder das restliche Gras.
In der Toskana geschah’s. Scusi, oh Hirt,
sind wohl deine Tiere und rentiert sich ihr Fraß?
Freilich, Fremder, was zweifelst du dran?
Zweimal am Tag gehn sie zum Melken
Und munter plätschert die weiße Flut in den Tank.
Sauber und schnell zum teuren Produkt veredelt:
Zu Mascarpone, Mozzarella, Parmigiano, Pecorino.
Panna cotta, Gorgonzola, Fontina und –
Halt ein, bukolischer Hirte, stopp it!
Im Mund das Wasser läuft mir zusammen und
hör nur, wie mein Magen mault.
Buon appetito!, wünscht der Bursche auf italienisch
und deutet auf die nächste Trattoria.
Muh, muh machen die Kühe, astrein auf bairisch.
Wer hatte es ihnen wohl beigebracht?